magazin-1-2014 - page 6-7

7
unterwegs
als freie Rednerin ins Spiel. Entweder gemeinsam mit dem Stan-
desbeamten oder im Anschluss an das rechtliche Prozedere über-
nimmt sie das Zepter. Dann wandern schon mal die Ringe an einem
Band durch die Reihen der Gäste oder werden dem Paar von den
geliebten Hunden gebracht. Auch sind ihr Zeremonien bei Sonnen-
aufgang im Heißluftballon oder mit Treckerfreunden auf dem Stop-
pelfeld nicht fremd.
Für die beiden Schneeverliebten Birte und Tobias aus Hamburg
fand sich ebenfalls ein würdiger Rahmen für ihre Winterhochzeit: In
einer Pferdekutsche rauschten sie nach der Trauung im Wintersaal
Bei Elke Rott kam es anders: „Es begann mit einer schwierigen Suche nach
dem Ort für die Feier, dann verpasste der Fotograf den Termin, das Essen war
mies, der DJ zu teuer und die Wohnung mit Wackelpudding und Konfetti ver-
wüstet“, erinnert sich die Seesenerin an ihr eigenes „Fest“ 1999. Und hatte
zugleich die Idee, „diese Erfahrung anderen zu ersparen“. Ein Netzwerk muss-
te her, in dem sich Heiratswillige über alle Fragen rund um die Hochzeit infor-
mieren können. Vom Wunschtermin am Wunschort über Ringe, Robe und Ri-
tuale bis hin zu Tischdeko, Traumtorte und Zeremonienmeister.
Vor zehn Jahren ging so die erste Hochzeitsmesse in Goslar an den Start.
Schon 2008 musste sie wegen Platzmangels in das Klostergut Wöltingerode
umziehen, wo sie seither alljährlich über 1000 Besucher anzieht. Der Charme
der fast 1000 Jahre alten Gemäuer, des stilvollen Standesamtszimmers im In-
neren und der barocken Klosterkirche mit der eindrucksvollen Nonnenempore
lassen erahnen, wie prachtvoll sich hier der „schönste Tag“ gestalten ließe.
„Wenn ich mal heirate, dann hier“, hatte Patrick bei einem Ausflug nach
Wöltingerode bekundet. Im vergangenen Jahr machte es der gebürtige
Eichsfelder mit seiner Juliane und großem Gefolge wahr. Die erste Überra-
schung gab es schon früh am Hochzeitsmorgen vom Schwiegervater: ein Kar-
ton, aus dem bei der Übergabe lautstark das Poltergut herauspurzelte. Auch
das Klettern durch das Herzloch im Tischtuch und der Eröffnungstanz sind ihm
von diesem „Traumtag bei Traumwetter“ noch in guter Erinnerung.
Dass es gerade diese geschichtsträchtigen Orte sind, die die Paare anziehen,
verwundert nicht, bieten sie doch eine hervorragende Kulisse für eine „Prinzes-
sinnenhochzeit“, wie sie sich etwa Nadine wünschte. Sie kam mit Ronny aus
der Wahlheimat im Baden-Württembergischen nach Ilsenburg, um im ehema-
ligen Speisesaal des Klosters zu heiraten, bei Live-Musik durch ein Luftballon-
Spalier zu schreiten und im Innenhof mit ihren Gästen anzustoßen. „Hier sind
unsere Wurzeln“, bekennen die beiden Ilsenburger.
Gepaart mit einem einzigartigen Ambiente, wünschen sich viele Heiratswillige
inzwischen eine ganz individuelle Zeremonie, die weit über den oft nüchternen
Akt der Eheschließung im Standesamt hinausgeht. Trauzeugen, Familie und
Freunde sollen einbezogen, persönliche Worte gefunden werden und ausgefal-
lene musikalische Umrahmung möglich sein. Angesichts dieser sehr eigenen
Anliegen stoßen die christlichen Kirchen mitunter an Grenzen. Für die Pastoren
stehen schließlich Ehesakrament (katholisch) und Segen (evangelisch) im Vorder-
grund, wenngleich sich auch hier einiges bewegt.
„Ich möchte zu einer perfekten Feier beitragen, die ohne Konventionen abläuft
und nur den Vorstellungen des Brautpaares entspricht“, bringt sich Elke Rott
Ob pompös, mit großer Festgesellschaft in historischen Gemäuern, zu
zweit über den Wolken oder als feierliche Zeremonie in kleiner Runde:
Die Hochzeit soll zum schönsten Tag im Leben werden. Perfekt geplant
und nach den eigenen Wünschen gestaltet – eine Traumhochzeit eben.
In der Region lässt sich (fast) jeder Traum verwirklichen…
Birte und Tobias im Winterglück (oben), fei-
erliche Zermonie von Elke Rott für Nadine
und Ronny im Kloster Ilsenburg (Mitte), Mona
und Dominik holen sich den Segen in der St.
Aegidienkirche Wulften (unten)
der Kaiserpfalz in Goslar durch die Winterlandschaft zur Steinberg Alm. Dort
genoss die Festgesellschaft anschließend alpines Hüttenfeeling. Hoch oben
fanden sich auch Astrid und Wilhelm-Andreas für ihr Ja-Wort ein, nämlich auf
der Terrasse des Maltermeisterturms. Vor der malerischen Kulisse des Harz-
vorlandes wurden sie mit Ständchen, Gedichten und Travestiekunst unterhal-
ten. Selbst talwärts und eher bescheiden lässt sich prächtig feiern. Wie in
Osterode zum Beispiel, wo sich die Standesbeamtin gern zu einer Trauung
im Innenhof des Museums im Ritterhaus überreden lässt. Wenn dann noch
die Sonne vom Himmel lacht, sorgen strahlende Vermählte und prächtige
Fotos für schöne Erinnerungen.
Nur mit dem „Papierkram beim Standesamt“ wollten sich Marianne und
Sven allerdings nicht zufrieden geben. Die Lonauer ließen ihr Motorrad ste-
hen und marschierten auf einem Teppich von Tannenzweigen zu Fuß
zur St. Michaeliskirche. Anschließend ging’s ins Dorf-
gemeinschaftshaus. Ohne kirchlichen Segen wollten
auch Mona und Dominik nicht in die Ehe starten.
„Die Zeremonie in der St. Aegidienkirche
war für mich ein besonderes Erleb-
nis, weil ich hier schon getauft
wurde“, schwärmt die Wulftenerin.
Standes­amtlich hatten sich die bei-
den zuvor auf der Burg Katlenburg
das Ja-Wort gegeben. Immer dabei:
Töchterchen Lana.
Nur für das Foto
auf dem Motorrad:
Marianne und Sven
in Lonau
Romy und Thomas lassen sich im Innenhof des Museums Ritterhaus in Osterode trauen
Auf Planken oder im Stollen
Die Auswahl an malerischen Schauplätzen für eine Hoch-
zeitszeremonie in der Region ist groß. Es geht aber noch
ausgefallener, etwa an Bord der MS AquaMarin. Während
die Gesellschaft über den Okersee schippert, wird im „Blau-
en Salon“ des Schiffes die Trauung vollzogen.
Keine Schiffplanken, sondern kunstvoll geschnitzte Holz-
bänke begleiten Paare, die sich für eine Hochzeit am Wald-
rand bei Hahnenklee entscheiden. Auf dem „Liebesbank-
weg“ geht’s unter freiem Himmel direkt in den Hafen der Ehe.
Nicht nur Eisenbahnfreunde kommen im ältesten, erhalte-
nen Bahnhofsgebäude Deutschlands ins Schwärmen. Vie-
nenburg bietet mit dieser komplett restaurierten Perle Hei-
ratswilligen eine einzigartige Kulisse.
Zweimal erst trauten sich Paare ins Bergbaumuseum Ram-
melsberg unter Tage, um sich das Ja-Wort zu geben. Der
tiefe Tscherperstollen eignet sich eben nicht für Frack, Stö-
ckelschuhe und weißen Hochzeitsschleier, verspricht dafür
aber ein unvergessliches Abenteuer.
In der Rübeländer Baumannshöhle hat man dagegen dank
der Höhlenfestspiele viel Erfahrung. Im sanften Kerzen-
schein getaucht oder spektakulär beleuchtet bietet, der
Goethesaal ein Ambiente der besonderen Art für den
schönsten Tag.
1,2-3,4-5 8-9,10-11,12-13,14-15,16
Powered by FlippingBook