magazin-02-2014_ds - page 6-7

6
unterwegs
Laufen, kriechen, klettern – rutschen, springen, schlittern: Gemütlich geht anders. Bei
dieser Tour durch die Natur stehen einige stattliche Hindernisse zwischen Start und Ziel,
ganz natürliche, aber auch solche, die von Menschenhand mit Bedacht und auch ein
wenig Schadenfreude auf der Strecke platziert wurden. Wer sich allerdings auf diesen
Parcours begibt, wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre. Er hat sogar Spaß daran, sich
selbst herauszufordern, ja vielleicht sogar zu quälen.
Wie beliebt eine solche Herausforderung ist, zeigen die Anmeldungen für den beson-
deren Geländelauf. 800 Starter werden am 15. Juni in Hörden auf die Strecke gehen
und sich beim dritten Harzer Keiler Run durch Schlamm und Wasser kämpfen, Holz-
stammwände, Reifenwüsten und Strohballentürme überwinden und den örtlichen
Fischteich durchqueren. Für Einsteiger gibt es die acht Kilometer lange Frischlingsfähr-
te. Die große Tour, die Keilerfährte, beträgt 24 Kilometer, also dreimal den Rundkurs.
Zeitwertungen gibt es in den Kategorien Keiler (Männer), Bachen (Frauen)
und Rotten (Teams).
„Es wird wieder eine gesunde Mischung aus ‚einfach‘ und ‚fast
nicht zu schaffen‘ geben. Ganz nach dem Geschmack un-
serer Streckenbauer – und sicher auch der Teilnehmer“,
verspricht Stefan Henkel vom Veranstalter TV Hörden
von 1901. Der Verein mit etwa 420 Mitgliedern bietet
sonst die Sportarten Turnen, Leichtathletik, Gymnastik
und Nordic Walking an.
Hördener Saufedern und Harzer Pyramiden
Mit 18 Hindernissen wird der Harzer Keiler Run auf
seinem Rundkurs aufwarten. Er führt vom Hördener
Sportplatz durch die idyllische Karstlandschaft am
Fuße des Nüllbergs. Die Barrikaden tragen illustre Na-
men wie Hördener Saufedern, Harzer Pyramiden, Kei-
lersuhle, Fuchsbau, Jagdlust und Jägerlatein. „Unsere The-
men sind natürlich der Harz sowie Bergbau und Jagd. Die
Namen der Hindernisse sind daher auch
der Region gewidmet“, erläutert Henkel,
der den Harzer Keiler Run in einem fünf-
köpfigen Team organisiert und sich der
Unterstützung von bis zu 100 Ehrenamt-
lichen während der Veranstaltung sicher
sein kann – neben Vereinsmitgliedern
auch Helfer des Deutschen Roten Kreu-
zes und der Bundeswehr.
Familiärer Charakter
Der „familiäre Charakter des Events“, der
bei Massenveranstaltungen fehle, zieht
laut Henkel die Teilnehmer an. Nachdem
es 300 Läufer bei der Premiere und
doppelt so viele im vergangenen
Jahr waren, haben die Organi-
satoren das Teilnehmerfeld
2014 auf 800 Starter erwei-
tert und gleichzeitig be-
grenzt. Daher bleiben
einige Starterwünsche
unerfüllt.
Die Plätze, die in drei
Anmeldeperioden im
In­ternet zu haben wa-
ren, gingen jeweils in
wenigen Minuten weg.
„Wir haben zwar in Sa-
chen Logistik, Parkplätze
Rennen für harte Kerle
Extrem-/Geländeläufe sind ein in Deutschland noch recht junges Phäno-
men. Seit 2010 finden der Braveheart Battle im unterfränkischen Münner-
stadt sowie der LimesRun im niederbayrischen Bad Gögging statt. Den
StrongmanRun gibt es in Deutschland seit 2007. Er wird seit 2011 auf dem
Nürburgring ausgetragen. Als Ursprung dieser Art der Herausforderung gilt
das englische Tough Guy Race in der Nähe von Wolverhampton. Das Har-
te-Kerle-Rennen startete erstmals 1986. Die Idee dazu stammt von einem
ehemaligen Mitglied des Leibregiments der britischen Königin Elisabeth II.
„Ich mache beim Harzer Keiler Run mit ...
... weil mir dieser Lauf bereits 2013 unglaublich viel Spaß gemacht hat. Die Hindernis-
se, verbunden mit einer schönen Strecke im Herzen des Harzes, waren eine tolle He-
rausforderung, der ich mich mit meinem Team unbedingt wieder stellen möchte.“
Mathies Czubba, 22, Frankfurt am Main
... weil ich es immer unglaublich toll finde, wie bei diesen Läufen alle Teilnehmer zu
einem großen Team werden und sich gegenseitig unterstützen.“
Jan Ole Hartmann, 24, Bad Harzburg/Oldenburg
... weil ich diese Läufe durch das Gelände mag. Zudem agiert das gesamte Starterfeld
als Team, denn alle haben nur ein Ziel: Spaß haben bei einem anstrengenden Cross-
Hindernislauf und dabei jedes Mal sich selbst besiegen.“
Florian Kiene, 24, Hannover
... weil ich die Herausforderung liebe und immer wieder gerne meine Grenzen austeste.“
Kevin Mädel, 23, Bad Harzburg
Alle vier starten im Team „Cool Running Harz“ (
zuziehen. Immerhin sind einige –
wenigstens am Start noch – in bun-
ten Kostümen dabei, tragen
Plüschkeiler durchs Gelände oder
ketten sich in Sträflingsuniformen
aneinander.
Wer sich das Motto „Hart, härter,
Harzer“ nicht selbst zu eigen ma-
chen, aber einen unterhaltsamen
Tag in der Natur verbringen und
sich amüsieren möchte, ist laut Ste-
fan Henkel als Zaungast beim Har-
zer Keiler Run bestens aufgehoben.
„Die Zuschauer können überall an
der Strecke aus nächster Nähe den
Lauf verfolgen und die Teilnehmer
anfeuern.“ Die können es gebrau-
chen.
Unter
gibt
es Eindrücke aus den vorangegan-
genen Jahren als Fotos und Videos.
„Hart, härter, Harzer“ lautet das Motto beim dritten
Harzer Keiler Run des TV Hörden, der am 15. Juni
um 11 Uhr am Sportplatz startet. Der besondere
Geländelauf verspricht Teilnehmern und Zuschauern
einen hohen Unterhaltungswert.
und Verpflegung auf jeden Fall noch Luft
nach oben. Wir wollen aber, dass unsere
Veranstaltung langsam wächst“, betont
Henkel. Er hat ebenso wie seine Organi-
sations-Kollegen früher selbst an solchen
Extremläufen teilgenommen.
Für Steffen Thormeier ist dieses Terrain
Neuland, er nimmt zum ersten Mal teil.
Der 39-Jährige startet im Harz Energie-
Team. Der regionale Energieversorger
unterstützt den Harzer Keiler Run in die-
sem Jahr als Hauptförderer. „Ich habe in
den vergangenen beiden Jahren zuge-
schaut. Das war ein Riesenspaß“, sagt
der Mitarbeiter aus dem Anlagenbereich
der Harz Energie Netzgesellschaft. Mit
dem Mannschaftsnamen „Zwei Keiler voll
Energie und ne wilde Sau“ knüpfen er,
seine Frau Diana und sein Kollege Manuel
Niehus an die thematische Ausrichtung
des Laufs an. „Wir sind sportlich schon
ambitioniert, machen aber nur aus Spaß
an der Freude mit. Wir haben nicht den
Anspruch, aufs Podium zu kommen“, be-
tont Thormeier, der sich sonst mit Laufen
und Mountainbiken fit hält.
Mit Plüschkeiler durchs Gelände
Diese Einstellung liegt laut Organisator
Stefan Henkel voll im Trend: „Sich gegen-
seitig schlammverschmiert über ein Hin-
dernis zu helfen, macht für den überwie-
genden Teil der Läufer das Flair und die
Motivation aus. Und natürlich die persön-
liche Herausforderung, es zu schaffen.“
Auch die Stimmung zwischen Karneval
und Straflager scheint die Menschen an-
Schlammschlacht
mit Spassfaktor
1,2-3,4-5 8-9,10-11,12-13,14-15,16
Powered by FlippingBook